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Das sollten Sie beachten, wenn Ihr Urlaubsziel von einer Reisewarnung betroffen ist

Terror, Kriege und Naturkatastrophen in den Nachrichten verunsichern viele Urlauber. Viele beginnen, die Wahl ihres Urlaubziels zu überdenken und fragen sich: Ist meine Familie dort überhaupt sicher? Daraufhin wollen sie von ihrer Reise kostenlos zurücktreten oder umbuchen. Das ist aber nur in bestimmten Fällen möglich. Erfolgt die Kündigung des Reisevertrags ohne ausreichenden Grund, können hohe Stornogebühren auf den Reisenden zukommen. Im Folgenden erfahren Sie, unter welchen Bedingungen eine Stornierung wegen höherer Gewalt möglich ist.

Ab wann Sie eine Reise kostenfrei stornieren können

Nur wenn eine Pauschalreise auf Grund von höherer Gewalt gekündigt wird, darf der Reiseveranstalter keine Stornogebühren vom Reisenden fordern, sondern muss die Reisekosten komplett zurückerstatten. Doch wann liegt höhere Gewalt vor? Im Einzelfall muss darüber das Gericht entscheiden, das sich wiederum an den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes orientiert. Folglich haben Betroffene nur Anspruch auf kostenfreie Stornierung, wenn eine Warnung für das entsprechende Reiseziel vorliegt. Sobald Sie über eine Stornierung nachdenken, sollten Sie zuerst prüfen, ob es sich tatsächlich um höhere Gewalt handelt. Das Auswertige Amt listet auf seiner Website alle Gebiete, die von Reise- und Terrorwarnungen betroffen sind.   Sollte für Ihr Reiseziel tatsächlich eine entsprechende Warnung vorliegen, haben Sie das Recht auf volle Kostenrückerstattung ohne Stornogebühren. Auf angebotene Ersatzziele, die Ihnen der Veranstalter evtl. anbietet, müssen Sie nicht eingehen.

Kostenfreie Stornierung auf Grund höherer Gewalt

Höhere Gewalt liegt vor, wenn ein plötzliches Ereignis die Reise zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko macht und das Auswärtige Amt offiziell vor einer Reise in das ausgewählte Gebiet abrät. Gründe für eine Reisewarnung können Krieg, politische Unruhen und Naturkatastrophen sein.  Beispiele, wann höhere Gewalt in der deutschen Rechtsprechung anerkannt wurde:

  • Tsunami in Südostasien (2004): Gefährdung durch Flutkatastrophe zählt als höhere Gewalt.
  • Beschädigung des Atomkraftwerks in Fukushima (2011): Hohes Gesundheitsrisiko der Reisenden aufgrund der Strahlenbelastung.
  • Allg. Terrorgefahr und Ebola Epidemie in Marokko (2015): Urlauber sind von massiver Anschlagsgefahr betroffen. 

Eine Auflistung vieler weiterer Fälle finden Sie hier.

Kostenlose Stornierung wegen Terrorgefahr ist möglich

Im Moment sitzt die Angst vor Terroranschlägen in der Bevölkerung besonders tief. Doch auch bei Terror entscheidet der Einzelfall, ob tatsächlich höhere Gewalt vorliegt. Einzelne terroristische Anschläge werden meist als allgemeines Lebensrisiko eingestuft, während der Ausbruch von bürgerkriegsähnlichen Zuständen und Krieg definitiv höhere Gewalt darstellt und eine kostenfreie Stornierung ermöglicht. Eine strikte Abgrenzung zwischen allgemeinem Lebensrisiko und höherer Gewalt ist schwer vorzunehmen. Entscheidend sind Schwere und Auswirkungen des Terrors. So wurden bspw. die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York vom 11.09.2001 als höhere Gewalt gewertet.  Zur Beurteilung der Schwere der Terrorgefahr unterscheidet das Auswertige Amt drei Kategorien:

1. Reisehinweise: Dabei handelt es sich um Fakten zu ländertypischen Besonderheiten wie Zollvorschriften und Einreisebestimmungen.

2. Sicherheitshinweise: Länder, für die ein Sicherheitshinweis ausgesprochen wurde, können terrorgefährdet sein. Vom betreten öffentlicher Plätze und Menschenansammlungen wird abgeraten.

3. Reisewarnungen: Urlauber sollten das Land unter keinen Umständen bereisen, da sie sich in akute Lebensgefahr begeben. Reisenden, die sich bereits im Land befinden, wird dringend geraten, das Land schnellstmöglich zu verlassen. Das Auswertige Amt spricht nicht immer gleich für ein ganzes Land eine Reisewarnung aus, sondern häufig werden auch Teilreisewarnungen für bestimmte Gebiete herausgegeben. Nur im Falle einer Reisewarnung können Urlauber die Reise mit Sicherheit kostenfrei stornieren.

Reaktionen der Reiseveranstalter

Sicherheit wird zunehmend auch zum Buchungsargument. Anbieter von Pauschalreisen haben das verstanden und versuchen, die Tourismusbranche sicherer zu gestalten. Das Thema Sicherheit wird nicht länger verschwiegen, sondern in umfangreichen Informationsangeboten an den Buchenden weitergegeben. Fehlbuchungen sollen so verhindert werden.

Außerdem bieten einige Reiseanbieter eine kostenfreie Umbuchung ohne Umbuchungspauschale an, wenn der Reisende zuvor Bedenken über seine Sicherheit äußert. Auch der kurzfristige Rücktritt von einer Reise wird unter Angabe handfester Begründungen manchmal toleriert. Das beruht allerdings auf keiner Gesetzesgrundlage und ist von der Kulanz des Reiseanbieters abhängig. Prüfen Sie also erst Ihre Möglichkeiten, bevor Sie einen Reisevertrag kündigen.

Was Sie tun sollten, damit ihre Pauschalreise nicht zum Horror wird

Der erste Schritt sollte immer eine ausführliche Netzrecherche sein, damit es nach der Buchung kein böses Erwachen gibt. Studieren Sie Bewertungsportale, die Informationen des Reiseanbieters und die Einschätzungen des Auswertigen Amtes. Einflüsse wie Umweltkatastrophen lassen sich jedoch kaum vorhersagen. Wenn Sie bereits gebucht haben, sollten Sie prüfen, ob eine Stornierung möglich ist.

In der Regel gilt: Sie können nur kurz vor Reisebeginn kostenlos stornieren. Erst dann kann einwandfrei festgestellt werden, ob ein Sicherheitsrisiko vorliegt und wie es zu beurteilen ist. 

  Dieser Leitfaden erleichtert Ihnen das Vorgehen, wenn Sie bei Ihrer Reise von Terrorwarnung betroffen sind:

  • Prüfen Sie beim Auswertigen Amt, ob für Ihr Reiseziel eine Warnung ausgesprochen wurde.
  • Wenn Sie den Reisevertrag wegen Gefährdung kündigen, müssen Sie vor Gericht beweisen können, dass höhere Gewalt vorgelegen hat. Durch das Auswertige Amt erteilte Reisewarnungen werden im Prozess als Indiz gewertet.
  • Fertigen Sie die Kündigung auf jeden Fall in Schriftform an, um für spätere Beweissicherheit zu sorgen. 
  • Ansprüche auf Rückzahlung des Reisepreises, Minderung oder Schadensersatz müssen innerhalb eines Monats gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden. Ansonsten ist die Rückerstattung der Reisekosten hinfällig.
  • Wenn der Urlauber die Reise bereits angetreten hat, kann er Entschädigung fordern. Außerdem ist der Reiseanbieter bei Kündigung des Vertrags verpflichtet, den Reisenden schnellstmöglich nach Deutschland zurück zu befördern.

Zusammenfassung

Der Begriff „höhere Gewalt“ ist nicht klar definiert, daher entscheidet das Gericht von Fall zu Fall unterschiedlich. Eine kostenfreie Stornierung ist nicht immer möglich. Generell stützen sich die Urteile auf die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes und deren Reisehinweise. Anhand derer lässt sich beurteilen, ob der Reisende in seiner Situation einer akuten Gefahr ausgesetzt wäre. Spräche das Urteil gegen den Einfluss von höherer Gewalt, müsste der Reisende für die geforderten Stornogebühren aufkommen. Ob die Stornogebühren überhaupt und in welchem Umfang berechtigt sind, sollte besser anwaltlich geprüft werden. Auch bei Reisemängeln können Sie Geld vom Anbieter zurückfordern. Lesen Sie dazu unseren Beitrag: „5 Tipps, wie Sie Reisemängel vermeiden und Ansprüche geltend machen“.

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