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Im Sommer 2018 tritt also die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in Deutschland in Kraft. Mit ihr ergeben sich einige Änderungen, vor allem die Absicherung im Fall einer Insolvenz des Anbieters soll verbessert werden. Ob dies gelingt und welche Vor- und Nachteile sich für Sie als Urlauber ergeben, erfahren Sie in diesem Artikel.

Gleiches Reiserecht für alle

Pauschalreisen sind nach wie vor beliebt, doch seit einigen Jahren stellen sich immer mehr Menschen ihren Urlaub individuell im Internet zusammen. Dieser Trend ist nur ein Grund für die Erneuerung des Reiserechts, das in seiner momentanen Fassung beinahe dreißig Jahre alt ist.

Eine Neuerung: Die verbundene Reiseleistung

Bis jetzt gab es bei der Buchung von Leistungen über ein Reisebüro oder per Onlineportal zwei Optionen:

  1. Das Pauschalpaket eines Reiseveranstalters, das sämtliche relevanten Leistungen des Urlaubs beinhalt, also Flug, Unterkunft, Verpflegung etc. Im Fall einer Insolvenz des Anbieters erhalten Pauschalreisende ihr Geld zurück. Sie können bei Mängeln außerdem nachträglich den Reisepreis mindern und Schadensersatz fordern.
  2. Die Buchung von Einzelleistungen, bei der dieser Schutz weitestgehend entfällt.

Mit der verbundenen Reiseleistung wird nun eine dritte Möglichkeit eingeführt. Die Schaffung dieser neuen Kategorie hat bei den mittelständischen Reiseunternehmen bereits für einigen Unwillen gesorgt. Die Reisebüros fürchten einen höheren Verwaltungsaufwand und Unklarheiten bei der Buchung von Leistungen.

Dabei ist die verbundene Reiseleistung im Grunde kein komplettes Novum, zumindest nicht, was ihren Leistungsumfang betrifft. Eine verbundene Reiseleistung liegt nach der neuen Regelung dann vor, wenn mehrere Reiseleistungen auf einmal werden und zwar bei einem Besuch im Reisebüro oder online binnen 24 Stunden über ein Internetportal. Dabei entstehen Verträge mit verschiedenen Anbietern, beispielsweise für das Hotel und für die Airline. Jedoch gelten diese dann nicht mehr als Einzelleistungen.

Der Vermittler, also das Reisebüro oder das Onlineportal, muss nun eine eigene Absicherung gegen die Insolvenz eines Partners (das Hotel, die Airline) vorlegen. Für Urlauber, die also beispielsweise nur den Flug und das Hotel über denselben Anbieter buchen, auf andere Leistungen aber verzichten möchten oder diese individuell buchen, ergibt sich mit der neuen Regelung ein Vorteil im Insolvenzfall.

Pauschalreise oder verbundene Reiseleistung? Die EU-Pauschalreiserichtlinie schafft Klarheit

Wie gesagt, völlig neu ist das alles nicht. Reisebüros hatten auch bisher bereits die Möglichkeit, bei der Bündelung von Leistungen zu einem Veranstalter mit entsprechender Haftung zu werden. Viele Anbieter waren sich über diese Möglichkeit bisher gar nicht im Klaren, nun ist es offensichtlich geworden.

Die Art der Leistung muss dem Urlauber nun zuvor klar genannt werden. Ein Formblatt gibt künftig darüber Auskunft, ob es sich bei der gebuchten Reise um eine Pauschalreise oder eine verbundene Reiseleistung handelt.

Auch Online-Reiseportale, die hauptsächlich die Leistungen von Fremdanbietern bündeln, müssen sich nun ebenfalls an die neue Regelung halten. Sie werden damit den klassischen Reisebüros gleichgestellt. Ein Paket von Leistungen muss auch im Internet klar als verbundene Reiseleistung angeboten werden.

Handelt ein Onlineportal dieser Vorgabe zuwider und preist eine verbundene Reiseleistung als Pauschalpaket an, übernimmt es automatisch dieselbe Haftung wie ein Veranstalter. Der Urlauber hat in diesem Fall dieselben Ansprüche wie bei einer Pauschalreise, dazu gehören:

  • Der Insolvenzschutz
  • Eine Rückholgarantie ins Heimatland im Krisenfall
  • Die nachträgliche Minderung des Reisepreises im Fall von Mängeln

Als Urlauber sollten Sie bei der Suche nach Pauschalreisen auf Onlineportalen daher nach der Erklärung „Sie buchen eine verbundene Reiseleistung“ achten. Diese Angabe allein genügt den Ansprüchen der EU-Pauschalreiserichtlinie. Ob sich durch diese Regelung wirklich Versesserungen für den Urlauber einstellen, bleibt abzuwarten. Zum einen kann es IT-bedingt noch zu einer falschen Klassifizierung der Reiseangebote kommen, zum anderen bietet die Formulierung durchaus noch Raum für Schlupflöcher.

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Ferienwohnungen, Häuser und Tagesreisen sind nicht mehr Teil des Pauschalreiserechts

Ferienwohnungen und Ferienhäuser fallen mit der neuen Richtlinie nicht mehr unter das Pauschalreiserecht, auch Tagesreisen bis 500 € sind nun davon ausgenommen. Dieser Schutz war ein europaweiter Sonderfall des deutschen Reiserechts, der nun mit der Angleichung entfällt.

Für Urlauber bedeutet das vor allem schlechtere Chancen auf Schadensersatz bei Mängeln der Unterkunft. Der Veranstalter kann in seinen AGBs bestimmen, dass im Schadensfall das jeweilige Landesrecht zur Anwendung kommt.

Die wichtigsten Änderungen in Zahlen und Daten:

Zwei Jahre Zeit zur Mängelanzeige

Das ist eine klare Verbesserung für Urlauber, vor allem für solche mit einem guten Gedächtnis. Bisher blieb Reisenden lediglich ein Monat zur Anzeige von Mängeln. Sie sollten sich dennoch rechtzeitig darum kümmern, denn die Beweislage wird mit der Zeit in der Regel nicht besser.

Bis zu 8 Prozent Preiserhöhung nach der Buchung

Eine kostenlose Kündigung des Reisevertrags war bisher möglich, wenn der Veranstalter die Kosten nach der Buchung um mindestens 5 Prozent erhöhte. Die Erhöhung dieses Wertes ist ein klarer Nachteil für Urlauber.

Keine Preiserhöhung innerhalb von 20 Tagen vor Reisebeginn

Bis jetzt war der Zeitraum, in dem der Reisepreis nicht erhöht werden durfte mit vier Monaten deutlich länger bemessen. Ein weiterer Nachteil für den Urlauber.

Mehr Spielraum bei der Leistungsänderung

Veranstalter können Leistungen nun leichter austauschen, beispielsweise Hotels bei einer Überbelegung. Als Urlauber müssen Sie dieser Änderung aktiv widersprechen, um diese nicht automatisch zu akzeptieren. Ein klarer Nachteil.

Fazit: Es gibt noch Optimierungsbedarf

Die neue EU-Pauschalreiserichtlinie muss sich in der Praxis erst noch bewähren. Vollkommen in Stein gemeißelt sind ihre Bestimmungen nämlich nicht. Bereits in zwei Jahren soll das Gesetz geprüft und gegebenenfalls noch angepasst werden.

Für deutsche Urlauber stellt die Richtlinie in Summe eher eine Verschlimmbesserung dar. Der angestrebte Insolvenzschutz wirkt eher halbherzig, wenn man sich vor Augen hält, in welchen Fällen er überhaupt zur Anwendung kommen würde. Der komplette Wegfall des Insolvenzschutzes bei Ferienwohnungen, Häusern und Tagesreisen ist für die Urlauber schlicht ein Ärgernis, das der Branche auf lange Sicht eher schaden wird.

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